Die sechs Karrieren des Martin R. Textor


Zum Wintersemester 1975/76 begann mein Studium der Pädagogik an der Universität Würzburg, das ich mit dem Diplom abschließen wollte. Die vorgeschriebenen Nebenfächer waren Psychologie und Soziologie.

Schon im zweiten Studienjahr stellte ich fest, dass das Studium sehr praxisfern war und mir wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnen würde. Da ich schon einmal das Studienfach gewechselt hatte (vor dem zweijährigen Wehrdienst als Zeitsoldat hatte ich im Wintersemester 1972/73 Betriebswirtschaft an der Universität Göttingen studiert), kam ein erneuter Wechsel nicht in Frage. Aber ein Auslandsstudium, das mir eine Tätigkeit in dem damals expandierenden Beratungswesen ermöglicht, würde sicherlich meine Chancen verbessern.

So schrieb ich mich für den Master-Studiengang "Counseling and Guidance" an der State University of New York at Albany ein. Aufgrund einer Partnerschaft mit der Universität Würzburg musste ich dort keine Studiengebühren bezahlen. Faszinierend waren für mich die ganz andere Zusammensetzung der Studentenschaft (viele Kommilitonen waren bereits mehrere Jahre lang berufstätig gewesen), die große Praxisnähe des Studiengangs und der partnerschaftliche Umgang der Professoren mit den Studierenden.

1. Karriere: Psychotherapie

In dem Studienjahr in Albany lernte ich viele Beratungsansätze und -formen kennen. Besonders interessierte mich die Familientherapie, die erst vor wenigen Jahren entwickelt worden war. So beschloss ich, für meine Diplomarbeit an der Universität Würzburg das Thema "Die Pluralität familientherapeutischer Ansätze in den USA am Beispiel Philadelphias" zu wählen. Ich stellte die Arbeit während eines Studienjahrs an der University of Cape Town fertig, wo ich im Fach Sozialarbeit immatrikuliert war. Im September 1980 bestand ich die Diplom-Hauptprüfung mit der Studienrichtung "Sozialpädagogik und Sozialarbeit" an der Universität Würzburg.

Bei der Beschäftigung mit den verschiedenen Ansätzen der Psychotherapie und der Familientherapie war mir aufgefallen, dass die Vertreter der einzelnen Schulen ganz unterschiedliche psychische bzw. familiale Strukturen und Prozesse fokussieren. Dementsprechend nehmen sie nur einen Ausschnitt der individuellen bzw. Familienrealität wahr. Dies ist für Therapeuten unverzichtbar, da sie eine "handhabbare" Auswahl aus der Unmenge der in der Beratungssituation auf sie einströmenden Eindrücke treffen müssen, um effektiv handeln zu können. Auf einer eher wissenschaftlichen Ebene müsste es aber möglich sein, die verschiedenen Therapieansätze miteinander zu vereinbaren, um ein Bild von der gesamten individuellen bzw. Familienrealität sowie von der Gesamtheit möglicher therapeutischer Vorgehensweisen und Methoden zu erhalten.

So beschloss ich, mein Studium an der Universität Würzburg mit dem Ziel der Promotion fortzusetzen und wählte für meine Dissertation das Thema "Integrative Familientherapie. Eine systematische Darstellung der Konzepte, Hypothesen und Techniken amerikanischer Therapeuten". In diesen Studienjahren entstanden auch meine ersten (Buch-) Veröffentlichungen:

Im Juni 1985 bestand ich das "Philosophische Doktorexamen" und durfte mich noch im gleichen Jahr über eine Veröffentlichung meiner Dissertation durch den Springer-Verlag (Heidelberg) freuen, die immer noch als E-Book erhältlich ist.

Noch bis Mitte der 1900er Jahre befasste ich mich mit verschiedenen Therapieformen bzw. deren Integration. In dieser Zeit entstanden die Monographie "Scheidungszyklus und Scheidungsberatung: Ein Handbuch" (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1991), die Sammelbände "The Divorce and Divorce Therapy Handbook" (Northvale, London: Aronson 1989, 2. Aufl. 1993, Paperback 1996) und "Praxis der Psychotherapie: Fünf Therapierichtungen in Fallbeispielen" (herausgegeben mit Georg Hörmann, Opladen: Westdeutscher Verlag 1992) sowie viele Fachartikel wie beispielsweise

Weitere Veröffentlichungen zu diesem Themenbereich sind im Gesamtverzeichnis meiner Publikationen zu finden. Viele Bücher können auch hier (auszugsweise) und viele Fachartikel hier als HTML- oder PDF-Dateien abgerufen werden. Dasselbe gilt für die bei den nun folgenden Karrieren genannten Bücher und Fachartikel.

Des Weiteren wurde ich Mitglied der "Society for the Exploration of Psychotherapy Integration" (SEPI) (1984-1991), Mitglied des Editorial Board (später: Associate Editor) des "International Journal of Eclectic Psychotherapy" (später: "Journal of Integrative and Eclectic Psychotherapy") (1985-1991) und Fellow der "International Academy of Eclectic Psychotherapists" (IAEP) (1985-1991).

2. Karriere: Familienforschung

Nach meiner Promotion war ich zunächst zwei Jahre lang als Referent bei der Hanns-Seidel-Stiftung in München beschäftigt, wo ich in der Koordinationsabteilung die Programme "Fachhochschulförderung", "Graduierte im Ausland" und "Graduiertenförderung" aufbaute. Ab Oktober 1986 war ich dann als wissenschaftlicher Angestellter in der neu gegründeten Abteilung "Familienforschung" des Staatsinstituts für Frühpädagogik und Familienforschung (IFP) tätig. Hier war ich u.a. für das Projekt "Situation von Ehen" (1987-1989) zuständig. Es umfasste Literaturanalysen zur Ehequalität, über junge Ehen sowie über Frühehen und deren Probleme.

In den folgenden Jahren verfasste ich viele Publikationen - zum Teil auch in meiner Freizeit -, in denen ich Erkenntnisse aus dem Bereich der Familienforschung vor allem für Sozialarbeiter, Pädagogen und Studierende aufbereitete. Solche Bücher hatte ich während meines praxisfernen Studiums an der Universität Würzburg vermisst, wo ich trotz der Spezialisierung auf die Studienrichtung "Sozialpädagogik und Sozialarbeit" kaum mit entsprechender Fachliteratur konfrontiert worden war. Zugleich veränderte sich allmählich mein Schreibstil, da ich für meine neuen Zielgruppen gut verständlich sein wollte.

Im Rahmen dieser Karriere entstanden z.B. die Monographien "Familien: Soziologie, Psychologie. Eine Einführung für soziale Berufe" (Freiburg: Lambertus 1991, 2. Aufl. 1993) und "Die Familie in Gegenwart und Zukunft: Positionen, Provokationen, Prognosen" (Norderstedt: Books on Demand 2009) sowie der Sammelband "Mutterschaft, Vaterschaft" (herausgegeben mit Wassilios E. Fthenakis, Weinheim, Basel: Beltz 2002). Auch verfasste ich Fachartikel wie beispielsweise:

Viele Erkenntnisse aus der Familienforschung flossen auch in Publikationen mit anderen Schwerpunkten ein.

3. Karriere: Kinder- und Jugendhilfe

In der Abteilung "Familienforschung" des Münchner Staatsinstituts war ich noch für folgende Projekte aus dem Bereich der Jugendhilfe zuständig:

Mit dem Thema "Adoption" stieg ich in die Fortbildung von Sozialarbeitern ein. Ferner referierte ich auf einigen Veranstaltungen für Adoptivfamilien. Zu einem längerfristigen Engagement wurde die Leitung eines Kurses und eines Gesprächskreises für Adoptiveltern und Adoptionsbewerber beim Haus der Familie in München, die sich über mehr als zwei Jahre erstreckten und mit drei Wochenendfreizeiten verbunden waren.

Wenn man sich mit Adoptionen befasst, ist es naheliegend, sich auch mit dem Pflegekinderwesen zu beschäftigen. Aber auch der gesamte Bereich der Kinder- und Jugendhilfe stieß auf mein Interesse, zumal in dieser Zeit - genauer gesagt, am 26. Juni 1990 - das SGB VIII verabschiedet worden war und nun umgesetzt werden musste. Noch wichtiger als die Weiterverbreitung von Erkenntnissen der Familienforschung war es mir nun, gut verständliche Literatur für die Aus- und Fortbildung von Sozialpädagogen und Sozialarbeitern zu verfassen. So entstanden die Sammelbände:

Ferner verfasste ich viele Fachartikel wie beispielsweise:

Besonders intensiv stieg ich schließlich in den Jugendhilfebereich "Allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie" (§ 16 SGB VIII) ein - schließlich ermöglicht ja die Familienbildung das Zusammenführen mehrerer meiner Hauptinteressen. Beispielsweise verfasste ich 1996 die Monographie "Allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie. § 16 SGB VIII" (Stuttgart u.a.: Boorberg).

Von viel größerer Bedeutung war aber das Projekt "Online-Familienhandbuch" (2001-2006), das ich am Staatsinstitut für Frühpädagogik zusammen mit Wassilios E. Fthenakis leitete und an dem drei weitere Kollegen mitwirkten. Wir gaben gemeinsam die Website www.familienhandbuch.de heraus, die im Endausbau rund 1.400 familienbildende Fachartikel umfasste. Bis zum Ende der finanziellen Förderung durch das Bundesfamilienministerium (2004) verantwortete ich 11 der 23 Rubriken redaktionell und verfasste rund 60 Beiträge für die Website. Bis November 2010 wurden Herr Fthenakis und ich als Herausgeber des "Online-Familienhandbuchs" auf der Startseite genannt; dann wurden unsere Namen entfernt, ohne dass wir darüber schriftlich oder mündlich informiert worden waren. Herr Fthenakis war zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehreren Jahren pensioniert; ich war seit dem 01.01.2007 beurlaubt (s.u.).

Ein Teil der Beiträge auf der Website erschienen nach der redaktionellen Aufbereitung in "Knaurs Handbuch Familie. Alles, was Eltern wissen müssen" (München: Knaur 2004). Dieser Sammelband, der 2006 auch auf Chinesisch veröffentlicht wurde (Peking: Beijing Zhongzhibowen Book Publishing Co. 2006), wurde von Wassilios E. Fthenakis und mir herausgegeben.

Familienbildung über das Internet zu leisten war zu Beginn des Jahrhunderts noch ungewöhnlich, und so wurde ich mehrfach zu Vorträgen und zur Mitwirkung an Sammelbänden eingeladen. In diesem Kontext entstanden beispielsweise folgende Publikationen:

Aber nicht nur das Projekt "Online-Familienhandbuch" zeigt, dass ich schon frühzeitig die Chancen des Internets für Fachautoren entdeckt hatte. Bereits am 27.07.2001 gründete ich zusammen mit meiner Frau Ingeborg Becker-Textor die Website www.SGBVIII.de. Dieses Online-Handbuch zur Kinder- und Jugendhilfe enthielt mehrere Jahre später rund 170 Fachartikel zu den einzelnen Maßnahmen bzw. Paragraphen des SGB VIII. Im Jahr 2015 wurde ein Großteil der Beiträge gelöscht, weil sie veraltet waren, und durch neue Beiträge ersetzt.

Da das Interesse von meiner Frau und mir an der Kinder- und Jugendhilfe stark abgenommen hatte, übergaben wir zum 21.07.2015 die Verantwortung für das Online-Handbuch an zwei neue Mitherausgeber, Peter Büttner und Stefan Rücker. Einen Monat zuvor erreichte unsere Website laut seitwert.de den Rang 175.354 bei insgesamt 1.115.401 erfassten deutschen Websites. Bei alexa.com (einem Amazon-Unternehmen) war er mit 219.957 etwas schlechter - trotzdem ein gutes Ergebnis für ein Online-Handbuch mit relativ wenigen Beiträgen. Die im Zusammenhang mit dem Relaunch der Website verfassten bzw. aktualisierten Fachartikel werden wohl meine letzten Veröffentlichungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe gewesen sein.

4. Karriere: Familien- und Bildungspolitik

Da Erkenntnisse der Familienforschung auch für Politiker relevant sind und die Angebote der Kinder- und Jugendhilfe bzw. Sozialarbeit von Bund, Ländern und Kommunen finanziert werden, beschäftigte ich mich ab Ende der 1980er Jahre mit der Familienpolitik. Bereits im Jahr 1991 wurde meine Monographie "Familienpolitik: Probleme, Maßnahmen, Forderungen" von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in München veröffentlicht, die auch als Lizenzausgabe bei der Bundeszentrale für politische Bildung (Bonn 1991) erschien.

Diese Publikation war vermutlich ein Grund, weshalb ich vom 11.03.1992 bis 31.10.1993 in das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit abgeordnet wurde, um die Redaktion des "Familienberichts der Bayerischen Staatsregierung" zu übernehmen. Ich erstellte die Gliederung des Berichts, verfasste Textbausteine, koordinierte die Beiträge und bearbeitete die von Ministerien und anderen Dienststellen zur Verfügung gestellten Informationen.

Einige Jahre später übernahm ich die "Koordination" (Herausgeberschaft) für den Sammelband "Sozialpolitik. Aktuelle Fragen und Probleme", der 1996 von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in München publiziert wurde und ein Jahr später als Mitdruck beim Westdeutschen Verlag in Wiesbaden erschien. Ferner verfasste ich Fachartikel und Tagungsbeiträge wie beispielsweise:

In den letzten zwei Jahrzehnten habe ich mich vor allem mit bildungspolitischen Fragen mit Bezug auf Kindertagesbetreuung und Schulpädagogik befasst (s.u.). So thematisierte ich z.B. die Politisierung der frühkindlichen Bildung, die Versorgung mit und den Bedarf an Betreuungsplätzen, die unterschiedlich hohen Pro-Kopf-Ausgaben der Bundesländer für Kindertagesbetreuung und die Rahmenbedingungen in Kitas. Ferner forderte ich eine stärkere Zukunftsorientierung des Bildungswesens, eine Überprüfung der Lehrinhalte und modernere Unterrichtsformen. Viele meiner Gedanken flossen auch in die Arbeit des Sachausschusses "Familie - Erziehung - Bildung" des Landeskomitees der Katholiken in Bayern ein, dem ich von 2005 bis 2010 als Mitglied angehörte.

5. Karriere: Kindertagesbetreuung

Bereits kurz nach meiner Anstellung in der Abteilung "Familienforschung" des Münchner Staatsinstituts begann ich - auch motiviert durch meine Frau - Fortbildungen für Erzieherinnen durchzuführen und Artikel für an sie gerichtete Fachzeitschriften zu verfassen. Viele der von mir bearbeiteten Themen wie z.B. der Familienwandel, die Auswirkungen von Trennung und Scheidung auf die kindliche Entwicklung oder das Leben in einer Teilfamilie waren für Erzieherinnen neu und damit interessant. So entstanden beispielsweise die Artikel:

Als seitens der zuständigen Ministerien der Bayerischen Staatsregierung die Abspaltung und Verlagerung der Abteilung "Familienforschung" nach Bamberg beschlossen (und im Jahr 1992 vollzogen) wurde, wechselte ich in den Arbeitsbereich "Frühpädagogik". Der Hauptgrund für diese Entscheidung war, dass meine Frau zu diesem Zeitpunkt als Referentin im Sozialministerium arbeitete und keine vergleichbare Stelle in Bamberg hätte finden können. Wir wollten werktags nicht getrennt leben, zumal wir sowieso schon zwei Wohnorte hatten (wir hatten nicht nur in München eine Wohnung, sondern auch in Würzburg, da dort viele Verwandte und die meisten Freunde lebten).

Die zunächst von mir im Staatsinstitut für Frühpädagogik verantworteten Projekte knüpften an meine bisherigen Interessen an; später kamen neue Schwerpunkte hinzu:

Seit dem 01.01.2007 bin ich vom Staatsinstitut für Frühpädagogik beurlaubt, weil ich mich auf dem Gebiet der Zukunftsforschung weiterqualifizieren wollte (meine 6. Karriere, s.u.) und dies im Rahmen meines Angestelltenverhältnisses nicht möglich war. Ich bin aber weiterhin im Bereich der Frühpädagogik als Autor, Referent und Fortbildner tätig.

Während der vorgenannten Projekte, aber auch unabhängig von ihnen, und in den Jahren nach meiner Beurlaubung entstanden folgende 17 Monographien und Sammelbände, die oft mehrere Auflagen erreichten:

Schon diese 17 Buchtitel zeigen, dass die 5. Karriere meine produktivste ist. Dies verdeutlichen auch die mehr als 200 Beiträge, die in Fachzeitschriften und Sammelbänden erschienen sind. So möchte ich an dieser Stelle keine Artikel auflisten, sondern noch einmal auf das Gesamtverzeichnis meiner Publikationen verweisen.

Auch die meisten der über 450 Veranstaltungen - mit mehr als 23.000 Teilnehmer/innen -, an denen ich als Referent oder Fortbildner mitwirkte (Stand: Dezember 2016), richteten sich an sozialpädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen. Von mir häufig behandelte Themen waren z.B. Elternarbeit, Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern, Kindeswohlgefährdung, Vernetzung von Kitas mit psychosozialen Diensten, frühkindliche Bildung, Freispiel, Projektarbeit, Formen der Gruppierung, kognitive Entwicklung von Kleinkindern, Hochbegabung und Migration. Ein Gesamtverzeichnis aller Veranstaltungen, an denen ich mitwirkte, ist hier zu finden.

Erwähnt werden soll aber noch, dass viele meiner Erkenntnisse auch für Lehrer relevant sind und für diese aufbereitet wurden. So entstanden z.B. die Monographie "Elternarbeit in der Schule" (Norderstedt: Books on Demand 2013) und folgende Artikel:

Gelegentlich hielt ich Vorträge auf Veranstaltungen für Lehrer bzw. führte Fortbildungen für diese Zielgruppe durch.

Ein besonderer Schwerpunkt meiner 5. Karriere ist die Herausgabe des Online-Handbuchs "Kindergartenpädagogik" (seit September 2015 "Das Kita-Handbuch"). Ich habe die Website www.kindergartenpaedagogik.de am 01.08.2000 eingerichtet - zunächst mit 45 Fachartikeln, die von mir oder meiner Frau Ingeborg Becker-Textor verfasst worden waren. Aber schon im Oktober wurden die ersten Beiträge von anderen Autoren aufgenommen. Damit war die Zielrichtung klar: Das Online-Handbuch "Kindergartenpädagogik" soll Fachkräften in Kindertageseinrichtungen, Studierenden an (Beruf-) Fachschulen und Hochschulen, Eltern und anderen Interessierten den kostenlosen Zugang zu Fachartikeln rund um die Kindertagesbetreuung bieten und sie auf Bücher zu dieser Thematik hinweisen.

Die Zahl der Fachtexte stieg in den folgenden Jahren stark an - auf mehr als 1.300 Artikel im Jahr 2017. Ferner enthält das Online-Handbuch rund 1.000 Kurztexte zu relevanten Fachbüchern, Listen empfohlener und preisgekrönter Bilderbücher, Kinderspiele und Musik-CDs, Hinweise auf Videofilme bzw. DVDs zur Kindertagesbetreuung sowie Rezensionen von Bilder- und Kinderbüchern.

Im September 2015 erfolgte ein umfassender Relaunch des Online-Handbuchs. Die Website erhielt ein Content Management System (Joomla!), ein neues Design bzw. Layout und den treffenderen Namen "Das Kita-Handbuch". Ferner wurden Bezeichnungen von Rubriken und Unterrubriken verändert (einige wurden auch gelöscht) und viele Fachartikel neu zugeordnet. Auf allen Seiten wird nun das Menü angezeigt; zum Teil werden zusätzlich Aufklappmenüs verwendet. Die Suchfunktion ist seitdem werbefrei, und bei den Textseiten gibt es jetzt eine Druckfunktion.

Um die Zukunft der Website sicherzustellen, wurde am 08.11.2017 Antje Bostelmann Mitherausgeberin der Website. Sie wird Anfang 2018 eine neue Redaktion in Berlin aufbauen und die Verantwortung für die Weiterentwicklung von "Das Kita-Handbuch" übernehmen. Dann werde ich mich auf eine beratende Funktion beschränken - und gelegentlich noch Beiträge für die Website verfassen.

Anfang November 2017 erreichte "Das Kita-Handbuch" laut seitwert.de den Platz 4.212 von 1.207.549 erfassten deutschen Websites. Bei alexa.com (einem Amazon-Unternehmen) war er mit 11.408 etwas schlechter. Bei checkpagerank.net wurde der Global Rank mit 235.833 bewertet sowie die Zahl externer Backlinks mit 16.956 und verlinkender Domains mit 2.608 angegeben. Diese Daten zeigen die intensive Nutzung der Website trotz der Spezialisierung auf den relativ kleinen Bereich der frühkindlichen Bildung. Sie verdeutlichen aber auch, dass Antje Bostelmann ein "schweres Erbe" antreten wird...

Im September 2002 gründete ich die Website "Kindertagesbetreuung"; im November 2016 habe ich sie umfassend überarbeitet. Unter der URL www.kindertagesbetreuung.de informiere ich insbesondere Eltern mit unter dreijährigen Kindern über verschiedene Formen von Kindertageseinrichtungen und über die Kindertagespflege. Ich stelle z.B. dar, nach welchen Vorgaben Kleinkinder gebildet und erzogen werden, wie Eltern die Qualität eines Kinderbetreuungsangebots beurteilen können, wie das Anmeldeverfahren und die Eingewöhnung von Kleinkindern verlaufen, was an Mitarbeit seitens der Eltern erwartet wird und wie sie das Geschehen in der Kindertagesstätte bzw. in der Tagespflegestelle mitbestimmen können. Ferner beschreibe ich, wie sich Kindertagesbetreuung auf die Beziehung zwischen Eltern und Kind auswirkt, wie Eltern die außerfamiliale Erziehung und Bildung ihres Kindes unterstützen können und dass Fachkräfte und Tagesmütter ihnen bei Erziehungsproblemen helfen können.

Seit Februar 2010 verantworte ich noch die Website "Elternarbeit in Kita und Schule": Unter www.elternarbeit.info stelle ich das von mir mitgeprägte Konzept der "Bildungs- und Erziehungspartnerschaft" zwischen Familie, Kindertageseinrichtung und Schule vor und beschreibe, wie es von Erzieherinnen und Lehrern umgesetzt werden kann.

Des Weiteren bin ich "Comprehensive Life Member" der "National Association for the Education of Young Children" (NAEYC) (1995-laufend), Mitglied des "Editorial Board" des "Early Childhood Education Journal" (1999-2009) und Mitglied der "Plattform EduCare" (2007-laufend).

6. Karriere: Zukunftsforschung

Wie bereits erwähnt, wurde ich am 01.01.2007 vom Staatsinstitut für Frühpädagogik beurlaubt, um mich auf dem Gebiet der Zukunftsforschung weiterzuqualifizieren. Die Beurlaubung wurde inzwischen bis zum 31.12.2019 (Renteneintritt) verlängert.

Im November 2006 gründete ich zusammen mit meiner Frau Ingeborg Becker-Textor das nicht universitäre Institut für Pädagogik und Zukunftsforschung (IPZF) in Würzburg. Es wird von unserer Wohnung aus betrieben.

Mit Themen der Zukunftsforschung hatte ich mich seit Beginn der 1990er Jahre befasst, wobei mich vor allem die demographische Entwicklung und die Konsequenzen für das Sozialsystem interessierten. So entstanden Artikel wie beispielsweise:

Ab der Jahrhundertwende kam das Interesse an einer zukunftsorientierten Bildung und Erziehung von Kleinkindern, Schulkindern und Jugendlichen hinzu:

Während meiner Beurlaubung erfasste ich zunächst die wichtigsten Zukunftstrends und stellte sie u.a. in der Monographie "Zukunftsentwicklungen. Trends in Technik, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik" (Norderstedt: Books on Demand 2010) zusammen. Dann ermittelte ich Kompetenzen, die Kinder von heute benötigen, damit sie in der Welt von morgen beruflich erfolgreich sein, positive Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen und ihr persönliches Glück finden können. Schließlich untersuchte ich, wie Eltern, Erzieherinnen und Lehrer Kindern diese Fähigkeiten und Einstellungen vermitteln können. Meine Erkenntnisse veröffentlichte ich u.a. in dem Buch "Zukunftsorientierte Pädagogik: Erziehen und Bilden für die Welt von morgen. Wie Kinder in Familie, Kita und Schule zukunftsfähig werden" (Norderstedt: Books on Demand 2012).

Inzwischen dürfte aufgefallen sein, dass meine letzten Bücher bei Books on Demand erschienen sind - und nicht mehr in Fachverlagen. Im Grunde geschah dies aus einer gewissen Verärgerung heraus: Fachverlage verlangen entweder immer mehr Vorarbeiten (bis hin zu druckfertigen Textdateien) oder lassen die Manuskripte von fachfremden Lektoren aufbereiten, die häufig Textpassagen "verschlimmbessern" und oft erst nach längeren Diskussionen wieder die vom Autor gewünschte Fassung einarbeiten. Fachbücher erscheinen zumeist in kleinen Auflagen und sind vielfach sehr teuer, obwohl keine Honorare mehr gezahlt werden. Manchmal bringt der Verlag noch im gleichen Jahr oder kurze Zeit später einen konkurrierenden Titel auf den Markt, anstatt den Verkauf des ersten Buches so zu fördern, dass Folgeauflagen möglich sind.

Bei Books on Demand muss ich wohl ebenfalls eine für den Druck aufbereitete Textdatei hochladen, habe aber alle Freiheiten hinsichtlich des Layouts, der Tabellen, Grafiken und anderen Abbildungen. Ich kann den Einband selbst gestalten und den Preis des Buches - und damit auch die Höhe meines Honorars - festlegen. Zumeist ist der Preis niedriger als bei einem Fachverlag. Und gute Bücher verkaufen sich auch über Books on Demand: Von meinen Werken wurden bis Ende 2016 mehr als 14.000 Stück erworben...

Die Inhalte meiner beiden Bücher zur Zukunftsforschung sind auch auf meinen Websites www.zukunftsentwicklungen.de und www.zukunftsorientierte-paedagogik.de zu finden, wo sie immer wieder ergänzt und aktualisiert werden. Ferner sind zu der Thematik mehrere Fachartikel erschienen, zum Beispiel:

Deutlich wird, dass ich auch einzelne Zukunftsentwicklungen genauer analysiert habe oder Konsequenzen für die Kindheit, das Familienleben bzw. die Kinder- und Jugendhilfe herausgearbeitet habe.

In den letzten Jahren habe ich häufig über Zukunftstrends und deren Konsequenzen vor Erzieherinnen, Eltern, Lehrern, Sozialarbeitern und Psychologen referiert bzw. die Thematik in Fortbildungen aufgegriffen. Ferner war ich von 2008 bis 2016 Mitglied der "World Future Society".

Ausblick

Abschließend möchte ich darauf verweisen, dass im Verlauf der Jahre das Internet eine immer größere Bedeutung für mich als Herausgeber und Autor bekommen hat. Neben den bereits genannten gründete ich noch weitere Websites, die allerdings nach mehr oder minder langer Zeit wieder gelöscht und deren Texte anderweitig verwendet wurden (z.B. rahmenplan.de, ZukunftWerkstatt.de, mutterschaft.info, familie-der-zukunft.de, senioren-im-zentrum.de). Derzeit verzeichnen die von mir verantworteten Websites mehr als 12 Millionen Seitenaufrufe im Jahr. Einige meiner Online-Artikel werden häufiger als 1.000 Mal pro Monat angeklickt - und das schon seit vielen Jahren. So erreiche ich über das Internet in der Regel mehr Leser als über die Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift oder in einem Sammelband.

Inzwischen sind mehr als 450 Artikel von mir auf Websites veröffentlicht worden und können hier abgerufen werden. Auch einige meiner Bücher und Sammelbände bzw. von mir verfasste Kapitel sind online (siehe hier).

Foto Textor

Nun stehe ich kurz vor meiner 7. Karriere: dem Rentenalter. Sicherlich werden in dieser Zeit noch Fachartikel entstehen; auch ein Buch ist geplant. Aber es werden andere Aktivitäten in den Vordergrund rücken: Zum einen möchten meine Frau und ich noch viel reisen - wir haben in all den gemeinsamen Jahren mindestens sechs Wochen pro Jahr im Ausland verbracht, zunächst oft außerhalb Europas, nun vor allem in Italien, Spanien und Frankreich. Zum anderen haben wir seit dem Jahr 2006 einen Schrebergarten, den wir nicht mehr wie bisher vor allem als "Arbeitsort" erleben möchten, sondern auch zunehmend zur Entspannung nutzen wollen. Und anstatt von Fachliteratur möchte ich wieder mehr Romane lesen...

Impressum

© Dr. Martin R. Textor, Fichtestraße 14a, 97074 Würzburg, E-Mail: martin.textor@freenet.de